Herzis.

Wahre Liebe endet nie?

Er setzt sich. Provozierend legt er den Arm um ihre mageren Schultern. Ein intensiver Blick in zwei nichtssagende, blaue Augen, die von Schuldgefühlen leergespült scheinen.
Er küsst sie.
Abwehrend dreht sie ihren blondbelockten Kopf zur Seite. Ihre Wangen sind gerötet. Gedankenverloren schielt sie auf ihre beiden nackten Füße. Zeit schinden.
Einige Sekunden verstreichen, doch sie fühlt sich gezwungen ihm ihren Blick nun doch langsam wieder zuzuwenden.
Tränengeflutete Augen starren stumpf ins Nichts. Sie sieht, wie verunsichert er ist. Ein liebevoller und besonderer Mensch, der etwas besseres verdiente als sie. Sie hatte ihn belogen und betrogen, denn schon so lange war sie nichtmehr die, die sie zu sein vorgab.
Die Zeiten hatten sich geändert. Sie beide wurden älter, und so wie alles im Leben, mit Verstrich der Zeit, auch ihre Liebe. Die Fassade bröckelte. Sie verfiel von Tag zu Tag in einen miserableren Zustand.
Die einst zeitlos geglaubte Liebe hatte nun doch ein jähes Ende gefunden.
Unfähig, ihm erneut in sein Tränenüberströmtes Gesicht zu blicken, beginnt sie, von den guten alten Zeiten zu erzählen.
Ein Film, voll von liebevollen Gesten läuft vor seinem inneren Auge ab, und er wirkt seit langem für den bruchteil einer Sekunde zum ersten mal seit langem beinahe glücklich.
Langsam erhebt sie sich von dem anthrazitfarbenen Sofa ihrer gemeinsamen Wohnung und wünscht ihm einen schönen Tag. Sie weint, als sie die Wohnung verlässt.

Verliebt, verloren, verlassen, vergessen.

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